Der Schwarze Mann I (A1)

Veröffentlicht am 27. April 2026 um 13:03

Kapitel 1 – Der Nebel

Der Morgen war grau und dick wie Rauch.

Lina, Marc und Theo gingen den Feldweg zur Schule, jeder in seine Kapuze vergraben. Der Nebel hing so tief, dass selbst die Straße zu atmen schien.

„Komisch“, murmelte Lina, „man hört keine Vögel.“

Theo lachte. „Die haben frei, letzter Schultag.“

Dann hielt Marc plötzlich an.

Im Nebel stand jemand. Eine Gestalt, schwarz, unbeweglich.

 

Kapitel 2 – Das Flüstern

Sie gingen weiter, redeten sich Mut zu. Doch der Mann war immer da, ein paar Meter entfernt, egal, wie schnell sie gingen.

Abends erzählten sie davon in der Gruppe. Niemand glaubte ihnen.

In der Nacht hörte Lina ein Flüstern im Zimmer. Sie schaltete das Licht an – an der Wand stand ihr eigener Schatten, aber er bewegte sich noch, als sie längst stillhielt.

 

Kapitel 3 – Der Blick

Am nächsten Tag fehlte Theo.

Marc meinte, er habe ihn früh im Nebel gesehen, mitten auf dem Weg.

„Er stand einfach da“, sagte Marc. „Aber er hatte keine Augen.“

Lina suchte ihn. Im Nebel sah sie kurz etwas Schwarzes – nicht wie Kleidung, sondern wie ein Loch in der Luft. Und sie hörte ein Lachen, dumpf, nah.

 

Kapitel 4 – Die Schule

Nur noch zwei kamen an.

Die Gänge waren leer, kein Lehrer, kein Geräusch.

Lina sah im Fenster ihr Spiegelbild – aber hinter sich stand jemand. Schwarz, formverschoben, wie Rauch, der sich erinnert.

Marc schrie, griff nach ihr, doch seine Hand verschwand im Nebel, der plötzlich auch im Gebäude war.

 

Kapitel 5 – Der letzte Atem

Am Nachmittag fand man ihre Taschen auf dem Pausenhof, durchnässt vom Nebel.

Ein Schüler schwor, er habe drei Schatten durch den Nebel gehen sehen – einer davon viel größer als die anderen.

Seitdem meidet man den Weg zur Schule, wenn der Nebel tief hängt.

Man sagt, der schwarze Mann zeigt sich nur denen, die glauben, er sei nicht echt.

ENDE!